
Wie baut man eine Sales-Pipeline auf? Schritt-für-Schritt-Anleitung
Eine Sales-Pipeline baust du auf, indem du deinen realen Verkaufsprozess in klar definierte Phasen zerlegst, für jede Phase ein beobachtbares Eintrittskriterium festlegst und jeden Deal sichtbar von links nach rechts bewegst. So entsteht eine Landkarte, die zeigt, wo jeder potenzielle Kunde gerade steht.
Aktualisiert: Juni 2026
Der entscheidende Punkt vorweg: Eine Pipeline ist kein Bauchgefühl, sondern ein Mengenproblem. Laut den B2B-Benchmarks 2025/2026 von First Page Sage liegt die durchschnittliche Win-Rate über alle Opportunities bei rund 21% und bei qualifizierten Deals bei etwa 29% (firstpagesage.com, 2026). Wer das ignoriert, hat am Quartalsende zu wenig in der Pipeline – egal wie gut das einzelne Gespräch lief.
Was ist eine Sales-Pipeline – und was ist sie nicht?
Eine Sales-Pipeline ist die visuelle Darstellung deines Verkaufsprozesses: eine Reihe von Phasen, durch die ein Interessent vom ersten Kontakt bis zum Abschluss wandert. Jede Phase steht für einen echten Fortschritt im Kaufentscheid – nicht für ein gutes Gefühl nach dem Telefonat.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Funnel. Der Funnel beschreibt Mengen und Konversionsraten auf aggregierter Ebene. Die Pipeline zeigt konkrete, benannte Deals mit Wert und nächstem Schritt. Du brauchst beides, aber bauen tust du zuerst die Pipeline.
Eine Pipeline ist nicht eine Liste aller Kontakte. Sie enthält nur Opportunities mit echtem Kaufinteresse und einem definierten nächsten Schritt. Alles andere gehört in die Lead-Liste oder ins Marketing.
Mehr zu den Grundlagen findest du in unserem Beitrag Was ist ein CRM für Schweizer KMU.
Schritt für Schritt: So baust du deine Pipeline auf
Der Aufbau folgt einer klaren Reihenfolge. Jeder Schritt hat ein konkretes Ergebnis, das du abhaken kannst, bevor du weitergehst. Spring keine Schritte – eine Pipeline ohne klare Phasenkriterien wird später zur Datenmüllhalde.
- Verkaufsprozess dokumentieren. Schreibe auf, wie ein typischer Deal heute tatsächlich abläuft – vom ersten Kontakt bis zur Unterschrift. Ergebnis: eine Liste der realen Schritte, nicht der gewünschten.
- Phasen definieren (5 bis 7). Bündle die Schritte zu 5–7 Phasen. Mehr wird unübersichtlich, weniger zu grob. Ergebnis: benannte Phasen wie Qualifizierung, Bedarf, Angebot, Verhandlung, Abschluss.
- Eintrittskriterien festlegen. Lege für jede Phase eine beobachtbare Bedingung fest, etwa «Budget bestätigt» statt «gutes Gespräch». Ergebnis: jeder im Team verschiebt Deals nach denselben Regeln.
- Pflichtfelder bestimmen. Definiere, welche Daten ein Deal braucht: Wert, erwartetes Abschlussdatum, Ansprechpartner, nächster Schritt. Ergebnis: jede Opportunity ist prognosefähig.
- Im CRM abbilden. Bilde die Phasen als Spalten im CRM ab und importiere deine offenen Deals. Ergebnis: eine lebende Pipeline statt einer Excel-Liste.
- Pipeline-Deckung berechnen. Prüfe, ob genug Volumen drin ist (siehe Rechenbeispiel unten). Ergebnis: du weisst, ob du das Quartalsziel erreichen kannst.
- Review-Rhythmus etablieren. Lege fest, wann du die Pipeline wöchentlich durchgehst und alte Deals bereinigst. Ergebnis: die Pipeline bleibt sauber und ehrlich.
Welche Phasen gehören in eine typische B2B-Pipeline?
Die meisten KMU kommen mit fünf bis sieben Phasen aus. Entscheidend ist, dass jede Phase einen Fortschritt beim Kunden abbildet und nicht eine interne Tätigkeit. «Angebot versendet» ist eine Aktivität; «Angebot vom Kunden geprüft» ist Fortschritt.
Eine bewährte Standardstruktur für B2B-Vertrieb sieht so aus:
- Qualifizierung – passt der Lead grundsätzlich (Branche, Grösse, Bedarf)?
- Bedarfsanalyse – Problem und Dringlichkeit sind verstanden.
- Angebot – konkrete Lösung und Preis liegen vor.
- Verhandlung – Einwände, Konditionen, Vertrag.
- Abschluss – gewonnen oder verloren (immer beides dokumentieren).
B2B-Deals mit mehreren Entscheidern brauchen oft eine zusätzliche Phase für die interne Freigabe beim Kunden. Halte sie trotzdem so schlank wie möglich.
Wie viel Volumen braucht deine Pipeline wirklich?
Die Pipeline-Deckung ist die wichtigste Zahl, die fast niemand sauber rechnet. Sie sagt dir, um welchen Faktor dein offenes Pipeline-Volumen über deinem Ziel liegen muss, damit du es bei realistischer Win-Rate erreichst. Die Formel hängt direkt an deiner historischen Abschlussquote.
Die Faustregel lautet: Bei einer Win-Rate von 50% reicht eine Deckung von 2x, bei 25% brauchst du 4x (outreach.ai, 2025). Mit der durchschnittlichen B2B-Win-Rate von rund 21% landest du also eher bei einer 4x- bis 5x-Deckung.
Rechenbeispiel in CHF
Angenommen, dein Quartalsziel sind CHF 200'000.00 Neuumsatz und deine historische Win-Rate liegt bei 25%. Dann brauchst du eine Pipeline-Deckung von 4x – also offenes Volumen von CHF 800'000.00. Bei einem durchschnittlichen Deal-Wert von CHF 20'000.00 sind das 40 qualifizierte Opportunities, die zeitgleich offen sein müssen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Quartalsziel (Neuumsatz) | CHF 200'000.00 |
| Historische Win-Rate | 25% |
| Notwendige Deckung | 4x |
| Benötigtes Pipeline-Volumen | CHF 800'000.00 |
| Durchschnittlicher Deal-Wert | CHF 20'000.00 |
| Anzahl offener Opportunities | 40 |
Diese Rechnung zeigt sofort, ob dein Problem im Vertrieb (zu wenige Deals oben) oder im Abschluss (zu viel fällt unten raus) liegt.
Welche Kennzahlen solltest du pro Phase messen?
Eine Pipeline ohne Messung ist nur eine hübsche Liste. Drei Kennzahlen reichen für den Anfang: die Konversionsrate zwischen den Phasen, die durchschnittliche Verweildauer pro Phase und der Deal-Wert. Daraus ergibt sich die Pipeline-Velocity – wie schnell Geld durch deinen Prozess fliesst.
Die Konversion ist auf jeder Stufe niedriger als man denkt. Branchendaten zeigen oben im Funnel oft nur 1–3%, in der Mitte 10–15% und unten 20–30% (firstpagesage.com, 2026). Der durchschnittliche B2B-Verkaufszyklus liegt zwischen einem und drei Monaten (firstpagesage.com, 2026) – plane deine Reviews danach.
- Konversionsrate: zeigt, wo Deals stecken bleiben.
- Verweildauer: zeigt, wo der Prozess zäh wird.
- Velocity: kombiniert beides zu einer Umsatzgeschwindigkeit.
Welche CRM-Tools eignen sich – und was kostet das?
Für den Pipeline-Aufbau brauchst du ein CRM mit einer Kanban-Ansicht, klaren Phasen und Pflichtfeldern. Die Preise variieren stark, und der Listenpreis sagt wenig über die echten Kosten aus. Achte vor allem auf Datenstandort und ob alle Nutzer mitmachen können.
Ein ehrlicher Vergleich der gängigen Optionen (Listenpreise 2026):
| Anbieter | Einstiegspreis | Datenstandort |
|---|---|---|
| Advanzo Starter | CHF 0.00 (unbegrenzte Nutzer, bis 25 Deals) | Schweiz (DSG/DSGVO) |
| Advanzo Plus | CHF 25.00/Nutzer/Mt (jährlich CHF 21.00) | Schweiz |
| Pipedrive Lite | USD 14.00/Nutzer/Mt | EU-Rechenzentrum |
| HubSpot Sales Starter | ab USD 15.00/Nutzer/Mt | EU/US |
| bexio Basic | CHF 35.00/Mt | Schweiz (Buchhaltung-first) |
| monday CRM Basic | USD 12.00/Platz/Mt (min. 3 Plätze) | EU/US |
Achtung bei den Pro-Nutzer-Modellen: Wenn nur die Hälfte des Teams mitmacht, weil jede Lizenz Geld kostet, ist die Pipeline lückenhaft. Mehr dazu in Pro Nutzer oder Flatrate: CRM-Preismodelle im Klartext und in unserer ehrlichen Rechnung zu CRM-Kosten.
Wie hältst du die Pipeline langfristig sauber?
Die häufigste Todesursache einer Pipeline ist nicht zu wenig Volumen, sondern Datenmüll. Tote Deals, fehlende nächste Schritte und Phantasie-Abschlussdaten machen jede Prognose wertlos. Pipeline-Hygiene ist deshalb kein Nice-to-have, sondern Pflicht.
Etabliere einen festen Rhythmus:
- Wöchentliches Review: jeder offene Deal hat einen datierten nächsten Schritt.
- Deals ohne Aktivität seit 30–60 Tagen werden geschlossen oder zurückgestuft.
- Verlorene Deals bekommen einen Verlustgrund – das ist Gold für die Verbesserung.
- Phasenkriterien werden quartalsweise auf Realität geprüft.
Ki kann hier helfen: In Schweizer KMU stieg der KI-Einsatz 2024 auf 2025 von 22% auf 34% (kmu.admin.ch, 2025), etwa für das automatische Zusammenfassen von Notizen oder das Erkennen stockender Deals.
Häufige Fragen
Wie viele Phasen sollte eine Pipeline haben?
Für die meisten KMU sind fünf bis sieben Phasen ideal. Weniger ist zu grob für eine sinnvolle Prognose, mehr macht das Pflegen aufwändig und die Akzeptanz im Team sinkt. Starte schlank und füge nur Phasen hinzu, die echten Käuferfortschritt abbilden.
Was ist der Unterschied zwischen Pipeline und Funnel?
Der Funnel zeigt aggregierte Mengen und Konversionsraten über viele Leads hinweg. Die Pipeline zeigt konkrete, benannte Deals mit Wert und nächstem Schritt. Du steuerst den Alltag mit der Pipeline und analysierst Trends mit dem Funnel – beide ergänzen sich.
Wie hoch sollte meine Pipeline-Deckung sein?
Das hängt an deiner Win-Rate. Bei 50% Abschlussquote reicht eine 2x-Deckung, bei 25% brauchst du 4x (outreach.ai, 2025). Da die durchschnittliche B2B-Win-Rate bei rund 21% liegt, ist eine 4x- bis 5x-Deckung für viele KMU realistisch.
Wann gilt ein Lead als Opportunity?
Sobald er deine Eintrittskriterien für die erste echte Verkaufsphase erfüllt – typischerweise bestätigter Bedarf und grundsätzliche Kaufbereitschaft. Alles davor ist ein Lead und gehört nicht in die Pipeline, sonst blähst du das Volumen künstlich auf.
Brauche ich dafür zwingend ein CRM?
Zum Lernen reicht ein Whiteboard, aber ab etwa zehn parallelen Deals wird Excel unzuverlässig. Ein CRM erzwingt saubere Phasen, erinnert an nächste Schritte und rechnet die Deckung automatisch. Ein kostenloser Start wie Advanzo Starter senkt die Einstiegshürde.
Wie lange dauert es, bis eine Pipeline Resultate zeigt?
Rechne mit mindestens einem vollen Verkaufszyklus. Da dieser im B2B meist ein bis drei Monate beträgt (firstpagesage.com, 2026), siehst du belastbare Konversionsraten erst nach einem Quartal sauberer Pflege.
Deine Checkliste für den Start
Bevor du loslegst, hak diese Punkte ab – dann steht deine Pipeline auf solidem Fundament:
- Realen Verkaufsprozess dokumentiert (nicht den Wunschprozess).
- 5–7 Phasen mit beobachtbaren Eintrittskriterien definiert.
- Pflichtfelder festgelegt: Wert, Abschlussdatum, nächster Schritt.
- Pipeline-Deckung berechnet (Ziel x Faktor aus Win-Rate).
- Phasen im CRM abgebildet, offene Deals importiert.
- Wöchentlicher Review-Termin im Kalender.
- Verlustgründe werden konsequent erfasst.
Du willst direkt anfangen, ohne Tabellenchaos? Starte kostenlos auf advanzo.app – unbegrenzte Nutzer, keine Kreditkarte nötig. Eine Pipeline, die das ganze Team pflegt, ist mehr wert als das teuerste Tool, das nur die Hälfte nutzt. Wenn du im Vertrieb für Kunden arbeitest, hilft dir vielleicht auch unser Beitrag CRM für Agenturen.






















