Vom Webprojekt zum GTM-Mandat: wie eine Agentur ihr Angebot erweitert – Advanzo Blog
Go-to-Market

Vom Webprojekt zum GTM-Mandat: wie eine Agentur ihr Angebot erweitert

Wie eine Agentur vom einmaligen Webprojekt zum wiederkehrenden GTM-Mandat wächst: Angebot, Pakete, Preise und Tools für planbaren Umsatz.
Maya Johnson
Maya Johnson
11 Min. Lesezeit

Ein GTM-Mandat ist der logische nächste Schritt für jede Agentur, die heute Websites baut. Statt ein Projekt einmal abzuliefern und auf das nächste zu hoffen, begleitest du deine Kundin bei der Markteinführung – Go-to-Market, also der ganze Weg vom fertigen Produkt zum zahlenden Kunden – und verdienst wiederkehrend. Dieser Artikel zeigt dir, wie du dein Angebot vom einmaligen Webprojekt zum planbaren GTM-Mandat erweiterst, mit konkreten Paketen, Preisen in CHF und einer schlanken Toolbasis.

Die gute Nachricht zuerst: Du musst dich nicht neu erfinden. Du sitzt bereits an der Quelle. Wer eine Website baut, kennt das Produkt, die Zielgruppe und die Sprache der Kundin besser als jeder externe Berater.

Warum ist das Webprojekt der ideale Einstieg ins GTM-Mandat?

Eine Website ist nie das Ziel. Sie ist ein Mittel: Sie soll Anfragen bringen, Vertrauen schaffen und am Ende verkaufen. Genau hier hört das klassische Agenturangebot oft auf – und genau hier fängt der Wert eines GTM-Mandats an.

Wenn du die Website lieferst, hast du drei Dinge, die ein reiner GTM-Berater erst mühsam aufbauen muss:

  • Kontext. Du kennst das Angebot, die Preise und die Positionierung der Kundin.
  • Vertrauen. Ihr habt zusammen etwas gebaut, das funktioniert.
  • Timing. Die Kundin denkt beim Launch ohnehin über «Wie kommen jetzt Kunden?» nach.

Die Frage «Wie bekommen wir damit eigentlich Kunden?» kommt fast immer. Die meisten Agenturen lassen sie unbeantwortet. Du kannst sie zum Mandat machen.

Was genau ist ein GTM-Mandat – und was nicht?

Ein GTM-Mandat ist ein wiederkehrendes Angebot, bei dem du eine Kundin über mehrere Monate dabei begleitest, planbar Kunden zu gewinnen. Es ist mehr als Marketing und weniger als eine ausgelagerte Verkaufsabteilung.

Ein gutes GTM-Mandat umfasst typischerweise:

  • ein klar definiertes ideales Kundenprofil (ICP – Ideal Customer Profile, also die Art von Kunde, die am besten passt);
  • zwei bis drei fokussierte Kanäle statt zehn halbherziger;
  • ein schlankes CRM, in dem Anfragen, Gespräche und Abschlüsse sichtbar sind;
  • einen klaren Prozess vom ersten Kontakt bis zum Abschluss;
  • monatliche Auswertung mit wenigen, ehrlichen Zahlen.

Was es nicht ist: ein Versprechen auf Wunder, ein Werbebudget-Verbrenner oder ein Tool-Zoo. GTM ist schlank, budgetbewusst und mit einem kleinen Team machbar. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Go-to-Market für Schweizer KMU.

Wie sieht der Übergang vom Projekt zum Mandat konkret aus?

Der Wechsel gelingt am besten in Etappen. Du verkaufst nicht ab Tag eins ein Zwölf-Monats-Mandat, sondern führst die Kundin schrittweise dorthin.

Schritt 1: Der GTM-Zusatz im Webprojekt

Schon während des Webprojekts baust du eine Brücke. Beim Launch lieferst du nicht nur die Seite, sondern auch eine kurze GTM-Skizze: Wer ist der ideale Kunde, über welche zwei Kanäle erreichen wir ihn, wie landen Anfragen sauber im System?

Schritt 2: Das Setup-Paket

Nach dem Launch folgt ein abgegrenztes Setup: CRM einrichten, Formulare anbinden, einen einfachen Verkaufsprozess definieren. Das ist ein verkaufbares Paket mit klarem Anfang und Ende.

Schritt 3: Das laufende Mandat

Erst danach kommt das wiederkehrende Mandat: monatliche Begleitung, Optimierung der Kanäle, gemeinsame Auswertung. Jetzt verdienst du planbar – und die Kundin sieht jeden Monat, wofür sie zahlt.

Welche Paketstruktur funktioniert für Schweizer Agenturen?

Drei Stufen haben sich bewährt. Sie sind einfach zu erklären und decken unterschiedliche Reifegrade der Kundin ab.

PaketInhaltRichtpreis
GTM-SkizzeICP, zwei Kanäle, Messpunkte – als Teil des WebprojektsCHF 1'500.00
GTM-SetupCRM-Einrichtung, Formulare, Verkaufsprozess, SchulungCHF 3'500.00 bis CHF 6'000.00
GTM-MandatLaufende Begleitung, Reporting, OptimierungCHF 1'800.00 bis CHF 3'500.00 / Monat

Die Zahlen sind Richtwerte für eine kleine Agentur. Sie zeigen vor allem das Prinzip: ein kleiner Einstieg, ein klar abgegrenztes Setup, danach wiederkehrender Umsatz.

Beispiel: Wie eine Webagentur in Bern ihr Angebot erweitert

Nehmen wir eine Drei-Personen-Webagentur in Bern. Sie liefert pro Jahr rund 20 Websites zu durchschnittlich CHF 12'000.00. Der Umsatz ist solide, aber lumpig: Nach dem Launch beginnt jedes Mal die Suche nach dem nächsten Projekt.

Die Agentur entscheidet sich, bei jedem fünften Kunden ein GTM-Setup und danach ein Mandat anzubieten. Bei 20 Projekten sind das vier Kunden pro Jahr.

  • 4 × GTM-Setup à CHF 4'500.00 = CHF 18'000.00 einmalig
  • 4 × Mandat à CHF 2'200.00 / Monat über 12 Monate = CHF 105'600.00 wiederkehrend

Aus demselben Kundenstrom entstehen über CHF 120'000.00 zusätzlicher Jahresumsatz – ohne einen einzigen neuen Lead. Das Entscheidende ist nicht die Zahl, sondern die Planbarkeit: wiederkehrender Umsatz statt Projekt-Achterbahn.

Beispiel: Das Treuhandbüro als GTM-Kundin

Eine zweite Szene. Ein Treuhandbüro in Zürich lässt seine Website neu bauen. Es will mehr KMU als Mandanten gewinnen, hat aber niemanden, der sich um Akquise kümmert.

Die Agentur richtet ein schlankes CRM ein, definiert mit der Inhaberin den idealen Mandanten (KMU mit 5 bis 30 Mitarbeitenden in der Region) und legt zwei Kanäle fest: Empfehlungen systematisch nachfassen und gezielte LinkedIn-Ansprache.

Rechnen wir die Akquisitionskosten – CAC, also Customer Acquisition Cost, die Kosten pro gewonnenem Kunden:

  • Mandat: CHF 2'000.00 / Monat
  • Ein gewonnener Mandant bringt im Schnitt CHF 6'000.00 Honorar pro Jahr
  • Gewinnt das Büro über das Mandat sechs Mandanten im Jahr, liegt der CAC bei CHF 24'000.00 / 6 = CHF 4'000.00 pro Mandant

Bei einem durchschnittlichen Mandanten, der mehrere Jahre bleibt, rechnet sich das schnell. Wie man so ein ideales Profil sauber definiert, zeigt der Beitrag ideales Kundenprofil (ICP) definieren.

Welche Tools braucht ein GTM-Mandat wirklich?

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Viele Agenturen glauben, sie bräuchten eine grosse Plattform wie HubSpot. Für manche Kunden stimmt das – HubSpot ist ein starkes, ausgereiftes Werkzeug, wenn ein grösseres Team mit eigenem Marketing- und Vertriebsapparat dahintersteht.

Die meisten Schweizer KMU brauchen aber kein ganzes Betriebssystem fürs Marketing. Sie brauchen ein schlankes CRM und zwei, drei fokussierte Kanäle. Mehr Software bedeutet mehr Setup, mehr Schulung und mehr Reibung – genau das, was eine kleine Kundin überfordert.

Eine pragmatische Toolbasis fürs Mandat:

  • ein schlankes CRM für Kontakte, Pipeline und Aufgaben;
  • das Website-Formular, das sauber ins CRM einläuft;
  • E-Mail für die persönliche Ansprache;
  • ein einfaches Reporting mit wenigen, ehrlichen Kennzahlen.

Wichtig für Schweizer Kundinnen: Die Daten bleiben in der Schweiz. Das ist kein Marketingargument, sondern für viele KMU eine Voraussetzung. Welche Modelle wann passen, vergleicht der Beitrag GTM-Modelle im Vergleich.

Wie verdient die Agentur dabei wiederkehrend?

Der eigentliche Hebel des Mandats ist nicht der Stundensatz, sondern die Wiederkehr. Ein einmaliges Projekt ist Umsatz von heute. Ein Mandat ist Umsatz, den du nächsten Monat schon kennst.

Drei Modelle, die für Agenturen funktionieren:

  1. Monatspauschale. Fixer Betrag für ein definiertes Leistungspaket. Planbar für beide Seiten.
  2. Setup plus Retainer. Einmaliges Setup-Honorar, danach eine kleinere monatliche Pauschale fürs Laufende.
  3. GTM-as-a-Service. Du betreibst Setup und Tool, übergibst nach einer Einarbeitungsphase und begleitest danach nur noch punktuell.

Das Setup-and-Handover-Modell ist besonders elegant: Du richtest alles ein, schulst das Team der Kundin und bleibst danach als Sparringspartnerin im Hintergrund. So skaliert eine kleine Agentur über mehrere Kunden, ohne in der Betreuung zu ersticken.

Häufige Fehler beim Schritt ins GTM-Mandat

  • Zu viel auf einmal versprechen. Ein Mandat ist kein Garantieschein für Umsatz. Verkaufe Prozess und Begleitung, nicht Wunder.
  • Tool-Overkill. Wer der Kundin eine grosse Plattform aufdrängt, baut Reibung statt Ergebnisse. Schlank schlägt mächtig.
  • Keine klaren Pakete. Ohne abgegrenzte Stufen wird jedes Gespräch zur Verhandlung. Definiere Skizze, Setup und Mandat einmal sauber.
  • Reporting ohne Substanz. Bunte Dashboards beeindrucken niemanden. Drei ehrliche Zahlen pro Monat reichen.
  • Das Verkaufen aus der Hand geben. AI und Software nehmen Reibung weg – das Gespräch, das Timing und die Beziehung bleiben menschlich. Genau das ist dein Wert.
  • Den Handover vergessen. Wenn die Kundin nie selbst arbeiten kann, bist du Engpass statt Partner. Plane die Übergabe von Anfang an.

Häufige Fragen

Muss ich Verkaufsprofi sein, um ein GTM-Mandat anzubieten?

Nein. Du musst kein Closer sein. Du musst einen klaren Prozess aufsetzen, die richtigen Kanäle wählen und ehrlich messen. Den menschlichen Teil des Verkaufens – das Gespräch und das Timing – führt am Ende oft die Kundin selbst, du gibst ihr die Struktur dafür.

Wie viele Mandate kann eine kleine Agentur tragen?

Mit einem schlanken Setup und dem Handover-Modell sind fünf bis zehn parallele Mandate für ein kleines Team realistisch. Der Aufwand liegt im Setup; das Laufende ist überschaubar, wenn das Tool einfach bleibt.

Was, wenn die Kundin schon HubSpot oder ein anderes CRM hat?

Dann arbeitest du damit. Das Mandat ist die Begleitung, nicht das Tool. Bei den meisten kleinen KMU ohne CRM ist ein schlankes System aber der schnellere und günstigere Weg zum Ergebnis.

Wie preise ich ein Mandat fair ein?

Orientiere dich am Wert für die Kundin, nicht an deinen Stunden. Wenn ein Mandat der Kundin im Jahr fünf neue Kunden bringt, ist eine Monatspauschale von einigen Tausend Franken leicht zu rechtfertigen. Starte lieber etwas tiefer und erhöhe mit nachgewiesenem Ergebnis.

Bleiben die Daten meiner Kundin wirklich in der Schweiz?

Mit dem richtigen Tool ja. Achte bei der Wahl des CRM darauf, wo die Daten gehostet werden. Für viele Schweizer KMU – besonders Treuhand, Recht und Gesundheit – ist das ein Entscheidungskriterium, kein Detail.

Wie fange ich ohne Budget an?

Mit einer einzigen Kundin, die du schon kennst. Biete ihr ein kleines Setup an, miss das Ergebnis und mache daraus deine erste Referenz. Wie schlankes GTM ganz ohne Budget aussieht, zeigt der Beitrag schlanke GTM-Strategie ohne Budget.

Der nächste Schritt

Vom Webprojekt zum GTM-Mandat ist kein grosser Sprung, sondern eine logische Erweiterung dessen, was du ohnehin tust. Du brauchst dafür keine grosse Plattform, sondern ein schlankes CRM, zwei fokussierte Kanäle und einen klaren Prozess.

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