
GTM-Kennzahlen, die zählen: CAC, Payback und Sales-Cycle verständlich erklärt
Wenn du deinen Go-to-Market (kurz GTM, also die Art, wie du dein Angebot an den Markt bringst und verkaufst) messen willst, brauchst du nicht zwanzig Kennzahlen. Drei reichen für den Anfang: CAC (Customer Acquisition Cost, also die Kosten pro gewonnenem Kunden), die Payback-Zeit (wie lange es dauert, bis ein Kunde diese Kosten wieder eingespielt hat) und der Sales-Cycle (die Zeit von der ersten Berührung bis zum unterschriebenen Vertrag). Diese GTM-Kennzahlen zeigen dir ehrlich, ob dein Vertrieb funktioniert oder ob du gerade Geld verbrennst.
Dieser Artikel erklärt jede Kennzahl in einfacher Sprache, mit Rechenbeispielen in CHF und mit konkreten Szenarien aus dem Schweizer KMU- und Agenturalltag. Kein Buzzword-Bingo, sondern Zahlen, mit denen du am Montag arbeiten kannst.
Warum überhaupt GTM-Kennzahlen messen?
Viele kleine Teams verkaufen aus dem Bauch heraus. Das geht eine Weile gut. Sobald du aber mehr Budget einsetzt oder einen zweiten Vertriebskanal startest, brauchst du Zahlen, um zu entscheiden, wo dein Geld am besten arbeitet.
Kennzahlen ersetzen das Verkaufen nicht. Sie machen es nur sichtbar. Eine gute Beziehung, das richtige Timing und ein klares Angebot bleiben menschliche Arbeit. Die Zahlen sagen dir nur, welche dieser Bemühungen sich lohnen.
Drei Fragen beantworten die Kennzahlen, um die es hier geht:
- Was kostet ein neuer Kunde? Das ist der CAC.
- Wann habe ich diese Kosten zurück? Das ist die Payback-Zeit.
- Wie lange dauert ein Abschluss? Das ist der Sales-Cycle.
Wenn du diese drei kennst, triffst du bessere Entscheidungen über Kanäle, Preise und Personal. Wenn du sie nicht kennst, ratest du. Mehr Grundlagen dazu findest du in unserem Leitfaden zu Go-to-Market für Schweizer KMU.
Was ist der CAC und wie berechnest du ihn?
Der CAC ist die Summe aller Vertriebs- und Marketingkosten in einem Zeitraum, geteilt durch die Anzahl der in diesem Zeitraum neu gewonnenen Kunden. Klingt einfach, und ist es auch, solange du sauber zählst.
Die Formel:
CAC = (Marketingkosten + Vertriebskosten) / Anzahl neuer Kunden
Zu den Kosten gehören nicht nur Werbung, sondern auch anteilige Löhne, Tool-Abos und Agenturhonorare. Wer nur die Adspend zählt, rechnet sich den CAC schön.
Rechenbeispiel: ein Treuhandbüro in Zürich
Nehmen wir ein kleines Treuhandbüro, das neue Mandate gewinnen will. In einem Quartal gibt es aus:
- CHF 4'500.00 für Google Ads und LinkedIn
- CHF 3'000.00 anteiliger Lohn für die Person, die Anfragen bearbeitet und Termine führt
- CHF 500.00 für CRM und weitere Tools
Das sind CHF 8'000.00 Gesamtkosten. In diesem Quartal kommen 8 neue Mandate dazu. Der CAC liegt also bei CHF 1'000.00 pro Kunde. Ob das gut oder schlecht ist, hängt davon ab, was ein Mandat über die Zeit wert ist – dazu kommen wir gleich.
Was bedeutet die Payback-Zeit?
Die Payback-Zeit beantwortet die wichtigste Frage für ein Team mit begrenztem Budget: Wann habe ich das Geld zurück, das ich für einen Kunden ausgegeben habe? Erst danach verdient dieser Kunde tatsächlich etwas für dich.
Die Formel:
Payback-Zeit (Monate) = CAC / monatlicher Deckungsbeitrag pro Kunde
Der Deckungsbeitrag ist der Umsatz pro Monat minus die direkten Kosten, diesen Kunden zu bedienen. Für ein Dienstleistungsgeschäft ist das oft ein grosser Teil des Umsatzes, für ein Produktgeschäft weniger.
Rechenbeispiel: das Treuhandbüro weitergedacht
Das Treuhandbüro hat einen CAC von CHF 1'000.00. Ein durchschnittliches Mandat zahlt CHF 350.00 pro Monat, und die direkten Kosten der Betreuung liegen bei CHF 150.00. Der monatliche Deckungsbeitrag beträgt also CHF 200.00.
Payback-Zeit = CHF 1'000.00 / CHF 200.00 = 5 Monate.
Nach fünf Monaten ist der gewonnene Kunde bezahlt. Bleibt das Mandat im Schnitt drei Jahre, sind die restlichen 31 Monate Gewinn. Eine Payback-Zeit unter zwölf Monaten ist für die meisten Schweizer KMU ein gutes Zeichen. Wird sie länger, brauchst du entweder günstigere Akquise oder mehr Umsatz pro Kunde.
Was ist der Sales-Cycle und warum ist er so wichtig?
Der Sales-Cycle ist die durchschnittliche Zeit von der ersten ernsthaften Berührung bis zum Abschluss. Bei einem 50-Franken-Produkt sind das Minuten. Bei einer Software für einen Mittelständler können es Monate sein.
Der Sales-Cycle ist deshalb so wichtig, weil er deinen Cashflow bestimmt. Ein langer Zyklus bedeutet: Du zahlst die Akquisekosten heute, siehst den Umsatz aber erst in einem halben Jahr. Für ein kleines Team ist das ein echtes Liquiditätsthema.
So misst du ihn:
- Lege fest, wann ein Lead «ernsthaft» wird – etwa beim ersten Gespräch.
- Notiere dieses Datum im CRM.
- Notiere das Abschlussdatum.
- Bilde den Durchschnitt der Tage dazwischen über alle gewonnenen Deals.
Wenn du das im CRM sauber pflegst, fällt die Zahl fast von selbst ab. Genau dafür ist ein schlankes CRM da: nicht um dich mit Feldern zu quälen, sondern um die paar Daten festzuhalten, die später Entscheidungen ermöglichen.
Wie hängen die drei Kennzahlen zusammen?
Die drei Kennzahlen erzählen erst gemeinsam eine Geschichte. Ein niedriger CAC nützt wenig, wenn der Sales-Cycle ein Jahr dauert und du in der Zwischenzeit die Miete nicht zahlen kannst. Eine kurze Payback-Zeit ist wertlos, wenn der CAC so hoch ist, dass du nur eine Handvoll Kunden gewinnst.
Hier eine einfache Übersicht, wie du die Werte einordnest:
| Kennzahl | Was sie misst | Faustregel für KMU |
|---|---|---|
| CAC | Kosten pro neuem Kunden | Sollte deutlich unter dem Kundenwert liegen |
| Payback-Zeit | Monate bis zur Amortisation | Idealerweise unter 12 Monate |
| Sales-Cycle | Tage bis zum Abschluss | So kurz wie ehrlich möglich |
Ein gesundes Bild sieht zum Beispiel so aus: moderater CAC, Payback in unter einem Jahr, ein Sales-Cycle, den dein Cashflow trägt. Wenn eine dieser drei aus dem Ruder läuft, weisst du, wo du ansetzen musst.
Wie sieht das in einer Agentur aus?
Agenturen haben eine besondere Lage: Sie messen ihre eigenen Kennzahlen und gleichzeitig die ihrer Kunden. Genau das ist eine Chance. Wer GTM als Dienstleistung anbietet, kann den Setup für mehrere Kunden aufsetzen, übergeben und davon wiederkehrende Einnahmen aufbauen.
Rechenbeispiel: eine Marketing-Agentur mit fünf Kunden
Eine kleine Agentur betreut fünf KMU im GTM. Für ihre eigene Akquise gibt sie pro Quartal CHF 6'000.00 aus und gewinnt zwei neue Mandate. Ihr eigener CAC liegt damit bei CHF 3'000.00 pro Kunde.
Das klingt hoch – aber ein Agenturmandat zahlt CHF 2'500.00 pro Monat bei einem Deckungsbeitrag von CHF 1'500.00. Die Payback-Zeit beträgt also nur 2 Monate. Weil Agenturkunden im Schnitt länger bleiben, ist dieser hohe CAC völlig vertretbar.
Für die Kunden wiederum richtet die Agentur dasselbe Mess-Setup ein: CAC, Payback, Sales-Cycle. So liefert sie nicht nur Leads, sondern auch den Beweis, dass die Arbeit wirkt. Wie du das systematisch aufbaust, zeigt unser Beitrag zur schlanken GTM-Strategie ohne grosses Budget.
Welche weiteren Kennzahlen lohnen sich später?
Wenn die drei Basiswerte stehen, kannst du behutsam ergänzen. Übertreib es nicht – jede neue Kennzahl muss eine Entscheidung verbessern, sonst ist sie nur Arbeit.
- Conversion-Rate pro Stufe: Wie viele Leads werden zu Gesprächen, wie viele Gespräche zu Kunden? Zeigt, wo es im Trichter klemmt.
- Customer Lifetime Value (CLV): Der gesamte Deckungsbeitrag, den ein Kunde über die Zeit bringt. Erst im Verhältnis zum CAC wird der CAC wirklich beurteilbar.
- Win-Rate: Anteil der Angebote, die zum Abschluss führen.
Eine nützliche Faustregel ist das Verhältnis von CLV zu CAC. Liegt es bei etwa 3 zu 1 oder höher, ist dein GTM in der Regel gesund. Liegt es bei 1 zu 1, verdienst du an neuen Kunden kaum etwas.
Häufige Fehler bei GTM-Kennzahlen
Die meisten Fehler entstehen nicht beim Rechnen, sondern beim Definieren. Diese hier siehst du am häufigsten:
- Nur die Werbekosten zählen. Wer Löhne und Tools weglässt, hat einen viel zu schönen CAC und wundert sich später über fehlenden Gewinn.
- Umsatz statt Deckungsbeitrag für die Payback-Zeit nutzen. Das verkürzt die Zahl künstlich. Rechne immer mit dem, was nach den direkten Kosten übrig bleibt.
- Den Sales-Cycle nie messen. Ohne ihn unterschätzt du, wie lange dein Geld gebunden ist.
- Zu früh zu viele Kennzahlen. Drei saubere Zahlen sind mehr wert als zwanzig ungepflegte.
- Daten nirgends festhalten. Wenn Termine und Abschlüsse nur im Kopf existieren, lässt sich nichts auswerten. Genau dafür gibt es ein CRM.
Wie hilft ein schlankes CRM beim Messen?
Du brauchst keine grosse Plattform, um diese Kennzahlen zu führen. Grosse Anbieter wie HubSpot leisten viel und sind fair für Teams, die das alles nutzen. Die meisten Schweizer KMU brauchen aber kein ganzes System, sondern ein schlankes CRM und ein paar fokussierte Kanäle.
Ein gutes, einfaches CRM nimmt dir genau die Schritte ab, die für die Kennzahlen nötig sind:
- Es hält fest, wann ein Lead begonnen hat und wann er abgeschlossen wurde – das ergibt deinen Sales-Cycle.
- Es zeigt, wie viele Kunden in einem Zeitraum gewonnen wurden – die Basis für den CAC.
- Es macht den Trichter sichtbar, ohne dass du Tabellen pflegen musst.
KI assistiert dabei, wo sie sinnvoll ist – etwa beim Vorschlagen des nächsten Schritts oder beim Zusammenfassen. Sie ersetzt aber nicht dein Urteil und nicht die Beziehung zum Kunden. Und deine Daten bleiben in der Schweiz. Wenn du tiefer einsteigen willst, hilft auch unser Leitfaden zum idealen Kundenprofil (ICP), denn schärfere Zielgruppen senken fast immer den CAC.
Schritt-für-Schritt: deine ersten Messungen aufsetzen
So kommst du in einem Nachmittag zu belastbaren Zahlen:
- Lege einen Zeitraum fest, etwa das letzte Quartal.
- Summiere alle Marketing- und Vertriebskosten inklusive anteiliger Löhne und Tools.
- Zähle die in diesem Zeitraum neu gewonnenen Kunden und berechne den CAC.
- Bestimme den monatlichen Deckungsbeitrag pro Kunde und berechne die Payback-Zeit.
- Sieh im CRM nach, wie viele Tage zwischen erstem Gespräch und Abschluss lagen – das ist dein Sales-Cycle.
- Notiere alle drei Werte an einem Ort und wiederhole die Messung jedes Quartal.
Schon beim zweiten Mal siehst du Trends. Und Trends sind wertvoller als ein einzelner perfekter Wert.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich diese Kennzahlen messen?
Für die meisten KMU reicht ein Quartalsrhythmus. Wer viel Werbebudget bewegt, schaut monatlich. Wichtiger als die Frequenz ist, dass du immer gleich rechnest, damit die Werte vergleichbar bleiben.
Was ist ein guter CAC für ein Schweizer KMU?
Eine allgemeine Zahl gibt es nicht, weil sie vom Kundenwert abhängt. Die bessere Frage ist das Verhältnis: Liegt dein CLV mindestens dreimal über dem CAC, bist du in der Regel auf der sicheren Seite.
Brauche ich teure Software, um den Sales-Cycle zu messen?
Nein. Du brauchst nur zwei Datumsfelder pro Deal: Start und Abschluss. Ein schlankes CRM erledigt das nebenbei, und für den Anfang reicht sogar eine saubere Tabelle.
Soll ich Umsatz oder Deckungsbeitrag verwenden?
Für die Payback-Zeit immer den Deckungsbeitrag, also Umsatz minus direkte Kosten. Sonst sieht die Amortisation schneller aus, als sie ist, und du triffst Entscheidungen auf falscher Basis.
Wie senke ich einen zu hohen CAC?
Meist über ein schärferes Kundenprofil und fokussiertere Kanäle. Wer genau weiss, wen er anspricht, verschwendet weniger Budget. Mehr dazu im Vergleich der GTM-Modelle.
Was, wenn meine Zahlen schlecht aussehen?
Dann hast du etwas Wertvolles gelernt, bevor es teuer wurde. Schlechte Zahlen sind kein Urteil, sondern ein Hinweis, wo du ansetzen kannst – beim CAC, beim Angebot oder beim Prozess.
Fang einfach an
GTM-Kennzahlen müssen nicht kompliziert sein. CAC, Payback und Sales-Cycle reichen, um ehrliche Entscheidungen zu treffen – und du kannst sie mit einem kleinen Team und wenig Budget führen. Wichtig ist nur, dass du die Daten überhaupt festhältst.
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